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     Gedanken einer Freundin
Diese Gedanken sendete mir eine Freundin zu, und ich fand sie so überwältigend,
dass ich sie gern in die Welt verbreiten möchte, was ich hiermit versuche:



Für Mister Maniac, auf dessen Fensterbank
ich leidenschaftlich gern sitze, meinen Kamillentee trinkend
in Betrachtung der kleinen Eskapaden der Welt da unten.



Es ist alles ganz einfach.
Ich strecke meinen Arm aus, den rechten, gen Himmel.
Genau dorthin, wo es in den Augen weh tut.
Jetzt brauche ich nur noch die Hand zu öffnen.
Daumen und Zeigefinger pflücken es ganz behutsam-
das Licht, das große runde.
Dann legen sie es auf die linke Handfläche,
warm und überraschend.
Es kitzelt ein bisschen.
Das Herz hüpft, weil plötzlich die Portion Leben da draussen
ins Zimmer kommt,
auf meinem Schreibtisch liegt.
Der gläserne Briefbeschwerer wird klein und versteckt sich.
Die Farben sind anders als sonst
und die Musik klingt fremdartig.
Alles zeigt ein Gesicht von ebenmäßiger Schönheit.
Inmitten der Veränderung sitze ich,
zusammengefaltet und staunend.
Bis mein Blick zum Fenster wandert.
Dort, wo das Glas mich trennt, von dem, was in der Welt vorgeht,
beginnt etwas Graues, Undefinierbares.
Da, wo ich eben noch das Besondere gefunden habe.
Der Wind streichelt nicht mehr den grünen Flaum
und die schwarzen Punkte haben aufgehört,
in den Wolken zu spielen.
Auch das Blau ist weg.
Nur die Pflasterkante da unten,
die ich heute mit dem Finger nachgezogen habe, scheint die alte.
Wenn auch weniger einladend.
Plötzlich das Erkennen, dass ich ihn genommen habe,
den Ursprung.
Es gehört mir nicht-
das Licht, das große runde.
Es ist alles ganz einfach.
Ich bringe es zurück.




Ich schlage die Welt in ein Papiertaschentuch ein
und stecke es in die Tasche meines Mantels.
Auf den übriggebliebenen schwarzen Fetzen Stoff
stelle ich meinen dunkelblau lackierten Stuhl
und setze mich darauf, die Ellenbogen auf den Knien,
den Kopf in meinen Händen liegend,
mich auf dem Gedanken ausruhend,
sich gerade nicht um das kümmern zu müssen,
was in meiner Jackentasche vor sich geht.

[Antje im Januar 2002]








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