...Reisen
Ich bin in meinem Leben schon sehr viel gereist, nicht in den Urlaub, sondern zwischen Heimat und Studium. In dieser Zeit bin ich zu folgendem Gedanken gekommen:
Bei jeder Fahrt hat man das Ziel im Auge, freut sich endlich wieder da zu sein. Ob mit Auto oder Zug, man fährt schnell auf diesem Wege dem Ziel entgegen, jedoch fährt man an so viel mehr vorbei, als was man am Ziel erreicht.
Man flieht an allem vorbei, in Sekunden huschen ganze Orte hinweg. Hier könnte man soviel Glück finden, Freunde, interessante Menschen, ganze Leben verbringen.
Besonders stark fühle ich dies, wenn ich mit dem Auto fahre, der Motor heult in hohem, stetigen Ton, die Bäume, Häuser und Brücken fliehen an mir vorbei, ich drücke mich vor ihrer Bekanntschaft: um so näher die Dinge mir kommen wollen, desto kürzer und verschwommener sind sie zu erkennen, treten sie in mein Leben.
Es frustriert mich leicht, dass ich das alles ignoriere und daran vorbeifahre, um ein paar Sekunden später schon wieder ganz wo anders zu sein.
Es heißt, der Weg ist das Ziel, und genauso fühle ich mich hierbei: Ich übergehe dieses eigentliche Ziel und strebe ins eh schon längst bekannte Ziel, die Heimat.
08.12.2001
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